13.05.17

Schmieden: Auf Wandertour im Wahlkreis - Mike Mohring

 

Nah dran: Die Wahlkreiswanderung im Hexen- und Hirschgrund ist für CDU-Landeschef Mike Mohring auch ein Stück Entschleunigung

Schmieden. Freitag um eins macht jeder seins. Im Hexengrund liefern sich der blühende Raps auf den Feldern und der Flieder in den Ortsdurchfahrten eine Duft-Schlacht. Eine Busfahrt beendet die Schulwoche für ein paar versprengte Kinder. Ein Mercedes-Fahrer dreht drei Runden in Schmieden und fragt dann, wo es nach Rudolstadt geht. Vor der Kirche des 49-Seelen-Dorfes, das mal die kleinste Gemeinde im Bezirk Gera war, warten drei langgediente CDU-Mitglieder auf ihren Landeschef. Joachim Jahn, in politischen Intrigen gestählter Ex-Bürgermeister von Etzelbach, erzählt Geschichten von früher. Als er in seinem Wohnzimmer den Bau der Straße von Zeutsch nach Neusitz regelte. Oder von noch früher. Als er mit Willibald Böck in den 80er Jahren die Bank der Parteischule drückte. An Mike Mohring, auf den inzwischen ein Dutzend Parteifreunde warten, schätzt er: "Dass er sich einsetzt – und dass er Wort hält".

Pünktlichkeit zählt offenbar nicht zu den Tugenden des Landesvorsitzenden. Mit 15 Minuten Verspätung trifft er in Schmieden ein, wo um 13 Uhr die 14. Wahlkreiswanderung starten sollte. Die Idee hat er von Christine Lieberknecht übernommen. So wie später den Fraktionsvorsitz. Und noch später den Landesvorsitz. Auch der Führer, Kromsdorfs Bürgermeister Gunter Braniek, diente zunächst der früheren Pastorin. Beinahe wäre er der Einzige in der Schmiedener Kirche gewesen, der nicht CDU-Mitglied ist. Aber vor knapp einem Jahr trat er dann doch bei. Jetzt arbeitet der erfahrene Geologe für die Unionsfraktion im Landtag. Die Wahlkreiswanderungen leben auch von seinen kenntnisreichen Erläuterungen. "Viele Abgeordnete reden von ihrem Wahlkreis, haben ihn aber noch nie wirklich gesehen", sagt Braniek.

Der Wahlkreis 30 mit dem etwas sperrigen Namen "Weimarer Land I/Saalfeld-Rudolstadt III" umfasst Uhlstädt-Kirchhasel und Remda-Teichel, den südlicher Teil des Weimarer Landes um Blankenhain und Bad Berka und den westlichen im Grammetal. Die ländliche Region mit rund 40 000 Wahlberechtigten hat seit der Wende immer zuverlässig CDU gewählt. 1999 holte Mohrings Vorgängerin Bärbel Vopel sogar die absolute Mehrheit. Der Apoldaer, der den Wahlkreis 2004 übernahm, kam bei seinen drei Erfolgen auf Werte zwischen 34,9 und 45,9 Prozent.

Für Mike Mohring sind die beiden Wandertage ein fester Termin im Jahr. "Es geht um Entschleunigung, das Zusammensein mit Freunden", sagt er. Er freue sich auf gute Gespräche am Abend im "Goldenen Roß" in Uhlstädt, wo ein Teil der Wandertruppe übernachtet. Es gehe ihm darum, Orte, Beziehungen und alte Wege zu begreifen. "Wir wollen zeigen, was das Dorf ausmacht". Wenn man die Strukturen wegnehme, blieben "leere Räume, leere Köpfe, Populisten".

Die politische Vita des heute 45-Jährigen beginnt in der Wendezeit. Mohring ist 17, als er im Herbst 1989 dem Neuen Forum beitritt. Mit 18 wird er in den Kreistag Apolda gewählt und Vorsitzender der Fraktion Demokratischer Aufbruch/Neues Forum. 1993 wird er Mitglied der CDU, in der er schnell Karriere macht. Mit 23 Fraktionschef im Kreistag, mit 27 Mitglied des Landtags, mit 28 im Landesvorstand. Der damalige Ministerpräsident Dieter Althaus macht ihn 2004 zum Generalsekretär der CDU Thüringen, vier Jahre später wird er Vorsitzender der Landtagsfraktion.

Sein Aufstieg scheint unaufhaltsam. Mohring, der seit 2010 auch Bundesvorstandsmitglied seiner Partei ist, gilt als einer der Hoffnungsträger der Union, der kommende Ministerpräsident in Thüringen, vielleicht auch mehr. Dann kommt die Landtagswahl 2014. Die CDU gewinnt hinzu, wird stärkste Kraft im Land. Die SPD, die als Juniorpartner der großen Koalition sechs Prozent verliert, entscheidet sich aber für Rot-Rot-Grün unter Bodo Ramelow. Mike Mohring ist maßlos enttäuscht und so verzweifelt, dass er das Gespräch mit der AfD sucht, um Ramelow als Ministerpräsidenten zu verhindern. Das sorgt bundesweit für Schlagzeilen, diesmal keine positiven. Und bleibt nicht ohne Folgen. Beim Bundesparteitag im Dezember 2014 fliegt der Thüringer mit dem zweitschlechtesten Ergebnis aller Kandidaten aus dem Vorstand. Wohl oder übel wird Mohring Oppositionsführer in Thüringen.

Der CDU-Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt ist für ihn – neben seinem eigenen – so etwas wie die zweite politische Heimat. Er ist Dauergast bei den Kreisparteitagen im Kaulsdorfer Bürgerhaus, beim Neujahrsempfang der CDU Uhlstädt-Kirchhasel. Er setzt sich hinter den Kulissen für den parteilosen Landrat Hartmut Holzhey ein, moderiert klug den Generationswechsel im CDU-Kreisvorstand. Er gilt den Parteifreunden als zuverlässig, geradlinig, engagiert. Ein Macher. Meistens ohne große Worte.

Im Gespräch mit Uhlstädt-Kirchhasels Bürgermeister und Parteifreund Toni Hübler geht es um das unvermeidliche Thema Gebietsreform. "Selbst die Kanzlerin rät der CDU mit Verweis auf die Ergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern von Gebietsreformen ab", sagt der Thüringer Landeschef. Zum Thema Windenergie hält Großkochbergs Ortsteilbürgermeister Günter Hercher am Luisenturm, der quasi umspargelt werden soll, einen Vortrag. Mohring hört zu, ermuntert. Er genießt sichtlich die Erdung durch die Basis. Und wenn ihn die Kanzlerin morgen nach Berlin beordert? Mohring lacht: "Die sehe ich schon am Sonntag im Bundesvorstand wieder".

Zwei Tage vor Weihnachten wird Mike Mohring 46. Daniel Günther wird in diesem Alter womöglich schon seit drei Jahren Ministerpräsident von Schleswig-Holstein sein. Und Mohring? Der spricht mit dem Vater eines Schulfreundes. "Herr Müller" ist Vize-Präsident des Thüringer Gebirgs- und Wandervereins – und der Einzige in der Wandertruppe, der Mike Mohring nicht duzt. Wie der in der Schule war? "Mein Sohn und er waren die Größten in der Klasse. Die haben in jeder Hinsicht den Ton angegeben", sagt Klaus Müller. Dann muss er sich beeilen. "Auf geht’s", hat Mohring gesagt. Über Weitersdorf und Teichweiden nach Oberhasel. Durch Mikes Revier.

Die Bilder der Wanderung finden Sie hier.

OTZ Thomas Spanier / 13.05.17


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