06.06.17

16. Uhlstädter Flößerfest

 

Uhlstädt. Volksfest und Tradition trafen zusammen: Zum 16. Mal lockte das Flößerfest in Uhlstädt viele Gäste zu Pfingsten an.

"Jedes Jahr kommen gut 2000 Gäste hierher" sagt der ehemalige Vereinsvorsitzende und Bürgermeister im Ruhestand Peter Schröter. Schon am Freitag lief oder tanzte man sich heiß mit der Band Swagge. Samstagnachmittag dann der Heimschengang der Flößer durch den Ort. Zum Schluss loderte ein Lagerfeuer und kleine Flöße wurden in die Saale eingesetzt. Und wieder heiße Rhythmen für geschmeidige Bewegungen der Gästeschaft - diesmal mit Rosa.

Am Sonntag dann endlich der absolute Höhepunkt. Die Neugierigen pilgerten an das Saaleufer am Saalewehr. Bei einem Lagerfeuer am Museum konnte man verfolgen, wie der symbolische Holzkauf zwischen Förster und Herzog über die Bühne ging. Die Flößer fuhren dann zum Start für die Fahrt der Langholzflöße. Natürlich geschah dies alles nur zur Schau und hatte keinen authentischen Hintergrund. Dennoch ist das Schauspiel imposant und begeistert.

Das Holz, etwa 40 bis 50 ausgewachsene Fichten, kauft der Flößerverein im Vorjahr von privater Hand und der Kirche. Im Winter schlägt der Flößerverein das Holz selbst. Erst 14 Tage vor dem Fest werden die vier Langholzflöße gebaut. Am darauffolgenden Sonntag steht das so genannte Anflößen bevor. Dann fahren die Flößer mit einigen Gästen von Kirchhasel bis Uhlstädt und befestigen die Flöße für das Flößerfest oberhalb des Wehrs.

Bis es nun am Sonntag mit der Überfahrt am Wehr losging, harrten die Schaulustigen an den Uferseiten und auf der Fußgängerbrücke über der Eisenbahnstrecke aus.

Wer das Wasser über dem Wehr beobachtete, konnte feststellen, wie sich allmählich der Wasserschwall verstärkte und seinen Höhepunkt erreichte. Wie Peter Schröter verriet, kamen nun gut 25 Kubikmeter Wasser pro Sekunde an. "Das können die an der Talsperre steuern", sagte Schröter. Für ein erfolgreiches Flößen ist ein bestimmter Wasserstand notwendig. Deshalb hatte Schröter schon vor ein paar Wochen das Wasser bestellt und eine Woche vor dem Fest mit den Verantwortlichen abgestimmt. "Dann wissen die das ungefähr, wie viel Wasser die Nebenflüsse haben, vor allem die Schwarza und die Loquitz. Etwas Unsicherheit liegt darin, was eventuell noch von den Nebenflüssen an Wasserzufluss kommt. Wegen des Regens in Schwarza wurde es von der Schwarza mehr. Ganz genau berechnen kann man es nicht", erklärte er.

Laut tobte das Wasser am Wehr, so dass die Musik der Blaskapelle schon nicht mehr auf der gegenüberliegenden Seite der Saale zu hören war. Dann erreichte das erste Floß das Wehr, überwand es und tauchte in die Flut ein. Die Flößer kamen nun zu einem kühlen Bad. Das Schlauchboot der Feuerwehr Uhlstädt war zwar in Bereitschaft, musste jedoch nicht ernsthaft eingreifen. Landtagsabgeordneter und Vereinsmitglied Mike Mohring (CDU) war auf dem Floß dabei. "Tradition hat etwas mit Heimat und Thüringen zu tun. Es ist etwas ganz Typisches für die diese Region und erinnert daran, wie die Leute hier gelebt haben", sagte er.

Auch die weiteren vier Flöße gelangten ohne große Probleme über das Wehr - allerdings inklusive der Volldusche für die Flößer. Das Publikum an beiden Ufern kommentierte das entsprechend lautstark. Die Flöße fuhren dann auf der Saale zum Floßanger. Auf sie wartete eine Begrüßung im Festzelt, die Floßtaufe der neuen Flößer und das Wettsägen.

Im Festzelt freute sich das Publikum über Musik von den Engerdaer Musikanten, die Unterhaltung von Tanzgruppen des Faschingsclubs Uhlstädt, der Ganztagsschule und des Kindergartens sowie den Flößertanz.

Auf dem Gelände gab es einen Thüringer Bauernmarkt und einige Vorführungen rund um das Holz. Hell erleuchtete zum Abschluss ein fantastisches Feuerwerk den Himmel über dem Floßanger.

"Geschichtlich gesehen, gab es früher Holzhändler, die für die Saison Flößer anstellten und das Geschäft jahrelang betrieben haben", weiß Peter Schröter zu berichten. Aber nicht so wie in den Regionen Schwarzwald und im Frankenland. Hier sei es Saisonarbeit gewesen.

Laut einer Urkunde des Grafen von Orlamünde habe es das Flößen auf der Saale seit 1258 gegeben. Damit wäre die Flößerei in Uhlstädt nach dem Rhein die zweitälteste in Deutschland. Mit dem Bau der Talsperren Bleiloch (1926) und Hohenwarte (1936) hat die Flößerei allerdings ihren Sinn verloren. Im Jahr 1947 wurde das letzte Holz von Uhlstädt nach Camburg geflößt, da man das Holz dort für einen Hausbau benötigte.

"Anders als im Schwarzwald und im Frankenland, war der Holzhandel mit dem Floß in unserer Region nur eine Saisonarbeit." Peter Schröter.

OTZ, 06.06.2017, Von Norbert Kleinteich